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Polizei zeigt MdL Humke-Focks wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte an

In seiner Antwort auf eine dringliche Anfrage der CDU zur Demonstration in Göttingen am 14.11.2009 zum 20. Todestag von Cornelia “Conny” Wessmann teilte Innenminister Uwe Schünemann unter anderem mit, dass MdL Patrick Humke Focks des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte beschuldigt wird:

“Nachdem zwei Personen im Aufzug der polizeilichen Aufforderung zum Ablegen getragener Passivbewaffnung nicht nachgekommen waren, erfolgten kurz hintereinander gezielte Zugriffe zur Festnahme dieser Personen. Während die Festgenommenen abgeführt wurden, griff ein im Aufzug befindliches Mitglied des Niedersächsischen Landtages derart in das Geschehen ein, dass von der Polizeiinspektion Göttingen Anzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte erstattet wurde.”

Und kurz danach:

“Völlig unverständlich ist, dass ein Mitglied dieses Hauses bei der Demonstration ein Verhalten an den Tag gelegt hat, das nunmehr Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ist.

Insofern kann die Aussage des MdL Humke-Focks die Demonstration am 14.11.09 in Göttingen nicht ansatzweise beschreiben. Die Aussage ist kurz, eindeutig und schlichtweg falsch.”

Das Schünemann hier öffentlich verbreitet was der Beschuldigte selber bis dahin noch nicht wusste ist nicht nur extrem schlechter Stil, es wirft in meinen Augen auch die Frage auf, ob unser Innenminister sich hier noch rechtens verhält. Das seine augenscheinliche Sorge über das Verhalten von Mitgliedern des Landtags beim eigenen Verhalten schon wieder aufhört spricht nicht für ihn.

Ebenso erstaunlich ist aber auch der Vorwurf des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte: Die geschilderte Festnahme habe ich auf Video festgehalten und das Video am Tag nach der Demo, am 15.11.2009 auf YouTube eingestellt und in diesem Blog gepostet. Das Video und das Blogposting sind recht gut verlinkt und leicht zu finden.

Bei 2:01 kommt Humke-Focks ins Bild. Nun fragt sich der geneigte Betrachter wo hier die Widerstandshandlung ist. Ich sehe, dass Humke-Focks sofort von den Polizisten angegangen wird, er selber hat von Schlägen und Tritten berichtet.

Man darf nun gespannt sein wie sich das Verfahren entwickelt und ob Innenminister Schünemann den Anstand findet seine Äußerungen zu relativieren. Ich persönlich halte die Chance auf Anstand für äußerst gering.

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14.11.2009 Festnahmegrund Schutzbewaffnung zweifelhaft

In der Pressemeldung 889/2009 der Polizei Göttingen wird zu den zwei Festnahmen am Idunazentrum gesagt

“Im Bereich des Weender Tores nahm die Polizei gegen 16.30 Uhr zwei Versammlungsteilnehmer fest, die verbotenerweise mit sog. Schutzbewaffnung (Quarzhandschuhe) bekleidet waren.”

Auf diesen beiden Videos sind jeweils kurz die Hände des Festgenommenen zu sehen:

Von Handschuhen ist darauf jedoch nichts zu sehen. Vielmehr ist auf dem ersten Video bei 0:15 im rechten Drittel des Bildes die linke Hand des Festgenommenen ohne Handschuh zu sehen. In dem zweiten Video sieht man bei 0:40 ganz deutlich ebenfalls die linke Hand ohne Handschuh direkt in der Bildmitte durch die Lücke zwischen den Polizisten. Ab 0:50 dann sehr deutlich und länger. In der Durchsuchungssituation des zweiten Videos könnten evtl. getragene Handschuhe natürlich bereits abgestriffen worden sein. In der Festnahmesituation, die das erste Video zeigt jedoch wohl kaum.

goest berichtet hier über die Demo und über eine Leserzuschrift, in der jemand behauptet eine der festgenommenen Personen habe keine Quarzhandschuhe, sondern Radfahrhandschuhe getragen. Da der Festgenommene hier in den Videos gar keine Handschuhe trägt, müsste es sich dann dabei um die andere festgenommene Person handeln.

Das würde dann bedeuten, dass der von der Polizei angegebene Grund für die Festnahme in beiden Fällen unwahr ist!

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14.11.2009 Demo im Wanderkessel

Die Demo zum Gedenken an den 20. Todestag von Cornelia “Conny” Wessmann wurde von einem massiven Polizeiaufgebot in engem Spalier begleitet. Und wenn schonmal so viele Polizisten auf einem Haufen sind, suchen sich einige davon auch gerne mal ne Tüte Streit. Am Alten Rathaus hat die Polizei die Demo zunächst nicht losgehen lassen und darauf hingewiesen, das sie bereit ist die Demo durchführen zu lassen, obwohl keine Anmeldung vorliegt, sie jedoch darauf bestehe, dass teilweise vorhandene Vermummung abgelegt wird. Erst wenn keine Vermummungen mehr vorlägen, würde man die Demo starten lassen.

Während nun alle darauf warten, dass es losgeht,  wird ein Teilnehmer am Rand des Zuges von Polizisten bedrängt. Einer der Polizisten gibt als Grund an “Sie haben mich beleidigt”. Auf meine Nachfrage was denn der Anlass war, hat mir der belästigte Herr später geantwortet der Polizist habe gesagt er hätte Jura studiert, woraufhin Umstehende und auch er (der Belästigte, nicht der Polizist) gelacht haben. Das hat dann der Polizist als Beleidigung aufgefasst, für die sich eine Identitätsfeststellung mit Rumschubsen lohnt. Praktischerweise filmt mittlerweile nicht nur die Polizei: Es wird zurücküberwacht! Deshalb gab es genug Zeugen und Kameras, die das Geschehen beobachten und sich vom rechtsstaatlich korrekten, angemessenen Handeln unserer Polizei überzeugen konnten (Video).

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25.11.1989: Conny-Demo

Mehr Material von damals zum erinnern.

Flugblatt Polizei Vorlauf zum 25.11.1989

Flugblatt Polizei Vorlauf zum 25.11.1989

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17.11.1989: Conny stirbt bei einem Polizeieinsatz

Vor 20 Jahren, am 17.11.1989 blieb Cornelia “Conny” Wessmann, die sich mit anderen in die Göttinger Innenstadt begeben hatte, um gegen Neonazis Präsenz zu zeigen nach einem Polizeieinsatz tot auf der Straße liegen.

Flugblatt 17.11.1989

Flugblatt 17.11.1989

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Polizeigewalt hat Tradition

Inzwischen ist ein weiteres Video aufgetaucht, das den brutalen Polizeieinsatz auf der Freiheit statt Angst Demo aus einer anderen Perspektive zeigt:

Ausserdem schildert hier im Blog alios pad jemand, der die Demo besuchen wollte wie er festgenommen, mehrere Stunden eingesperrt und ED-behandelt wurde, weil er so kooperativ war einem Polizisten, der in seinen Rucksack gucken wollte zu sagen, dass er ein Leatherman-Tool dabei hat. Die Schilderung an sich ist schon Anlass zur Sorge genug. Aber noch einen extrakalten Schauer den Rücken hinunter jagt mir der Satz “Persöhnlich kann man wohl kaum einem der Beteiligten der Exekutive einen Vorwurf machen – ein Jeder der Beteiligten konnte sich darauf berufen nur Befehle und Anweisungen ausgeführt zu haben.

Hier in Göttingen gibt (gab?) es eine starke linke Szene, die schon seit Jahrzehnten immer wieder Vorkommnisse wie jene auf der FSA09 schildert, ohne dass  sich dafür eine nennenswerte Öffentlichkeit interessiert hätte.

In zwei Monaten, am 17. November ist es 20 Jahre her, dass Cornelia “Conny” Wessmann bei einem Polizeieinsatz auf der Weender Landstraße ums Leben gekommen ist. Damals hatten Anwesende keine Kameras und Fotoapparate dabei. Es gab keine Bilder oder gar Videos von dem was damals passiert ist. Für Empörung sorgte nur der mitgeschnittene Funkverkehr vor der Aktion, in dem sich der Freund und  Helfer über das weitere Vorgehen abgesprochen hat.

“Ich würde sagen, wenn wir genug Leute sind, sollten wir sie plattmachen”

“Laß noch warten, bis noch mehr Grün-Weiße da sind. Dann haben wir sie”

Aber da transkribierter Funkverkehr lange nicht das Zündpotential von Bildern, oder gar Videos hat, ist vor 20 Jahren ein Mensch bei einem Polizeieinsatz gestorben, ohne dass dies nennenswerte Konsequenzen gehabt hätte. Soweit mir bekannt ist, wurden sämtliche Ermittlungsverfahren eingestellt.

Insofern kann ich nachvollziehen, dass in Kommentaren immer wieder, begleitet von Mitleid mit den aktuell Betroffenen, auch eine gewisse Freude zum Ausdruck kommt, dass das Thema Fehlverhalten in Einsätzen und Polizeigewalt nun endlich im Mainstream angekommen ist.

Denkmal für Conny

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