Rock my world baby!

Mo 26 Dezember 2005
By tdk

RockboxVor ein paar Tagen habe ich gesehen, dass Kollege Stefan eine Taschenjukebox von Archos hat und ihm von diesem tollen Projekt erzählt, dass eine freie Firmware für den Archos entwickelt: RockBox

Ich hatte vor einer ganzen Weile mal in den Linux Weekly News darüber gelesen und freudig festgestellt, dass es dort auch eine Version für den IRiver (praktisches Gerät, kann neben dem üblichen mp3 auch ogg abspielen, deshalb war das für mich das Gerät der Wahl) gibt. Der IRiver-Port war damals allerdings noch nicht so weit, dass man damit die Original-Firmware wirklich hätte ersetzen können und so ist das in meinem Gedächtnis irgendwo in tiefere Sedimentschichten abgetaucht.

Stefan konnte leider gar nichts mit RockBox anfangen, weil sein Archos so neu ist, dass er noch nicht unterstütz wird. Allerdings ist RockBox durch diese Episode wieder aus den Tiefen meiner Erinnerung auf die vorderen Plätze gelangt und schließlich am 24. Dezember etwa 45 Minuten bevor ich mich auf den Weg zum Familienweihnachtsfest machen musste in der ersten Reihe angekommen. Das ist natürlich genau der richtige Zeitpunkt um seine Hardware einer Prozedur zu unterziehen, die
sie potentiell in einen Briefbeschwerer verwandelt.

Der Port für die IRiver 100er Serie (iRiver H110/H115/H120/H140) ist inzwischen noch nicht fertig (im Sinne von “feature-complete”) aber richtig benutztbar. Die 300er Serie (River H320/H340) ist "work-in-progress" und es gibt sogar Arbeiten an einem iPod Port.

RockBox auf einen IRiver zu bringen ist so einfach, dass man es sogar Heiligabend kurz vor der Familienfeier machen kann. Der einfachste Weg ist unter Windows mit dem Firmwarepatcher von RockBox ein Originalfirmwareimage des Herstellers zu patchen, es auf den IRiver zu transferieren und im IRiver den Menüpunkt "Firmwareupdate" auszuwählen. Damit hat man seinem IRiver einen Bootloader verpasst, der auf der Festplatte nach der RockBox-Firmware sucht und diese lädt. Falls er keine RockBox-Firmware findet, bootet er die Originalfirmware. Wir haben jetzt also einen "DualBoot-IRiver".

Selbst wenn man statt RockBox lieber die Originalfirmware benutzen möchte (warum auch immer…) gibt es gute Gründe den Bootloader auf jeden Fall zu benutzen. Die Originalfirmware bootet erst, nachdem sie die Festplatte geprüft hat. Falls das aus irgendeinem Grund schief geht bootet das Gerät nicht. Mit dem RockBox Bootloader wird das Gerät jedoch vom Bootloader selbst sofort in den USB-Modus versetzt falls beim starten das USB-Kabel steckt. Damit eröffnen sich dann Recovery-Möglichkeiten.

Aber man braucht natürlich kein Windows um die Originalfirmware zu patchen. Der Firmwarepatcher läuft auch unter wine. Oder man patcht die Firmware von Hand unter einem *nix Betriebssystem. Ich würde allerdings dem Firmwarepatcher unter Windows oder wine den Vorzug geben.

Nachdem wir nun den Bootloader haben, ist der zweite Schritt ein RockBox-Image auf der Festplatte des IRiver abzulegen. Einfach einen aktuellen Build herunterladen, auspacken und auf der Platte ablegen. Das Image besteht aus zwei Teilen: Der Datei rockbox.iriver und dem Verzeichnis .rockbox. Beides gehört in das Hauptverzeichnis des IRiver (der Bootloader findet die rockbox.iriver Datei auch wenn sie im .rockbox Verzeichnis liegt). Ab jetzt bootet der IRiver mit RockBox. Falls man doch mal die Originalfirmware starten möchte, kann man beim einschalten des IRiver einfach die REC-Taste gedrückt halten.

Aber wie gesagt: Warum sollte man das wollen?

Rockbox
WPSRockBox bootet etwa dreimal so schnell wie die Originalfirmware, RockBox kann das eingebaute Radio als Aufnahmequelle nutzen, RockBox hat konfigurierbare “while-playing-screens” (damit ist die Bildschirmanzeige während ein Lied spielt gemeint) jeweils für das Display am Gerät und das an der Fernbedienung, RockBox erhöht das Tempo beim scrollen durch lange Listen, RockBox kann jpg-Dateien anzeigen (z. B. Albumcover), RockBox spielt die Stücke nahtlos nacheinander (gapless), was man besonders bei Live-Aufnahmen sehr zu schätzen weiss, RockBox kann neben ogg und mp3 noch einige weitere Audioformate abspielen…

Bevor ich jetzt anfange zu sabbern während ich das alles aufzähle, schaut euch doch einfach den Feature-Vergleich an.

Als ich den IRiver gekauft habe sah es so aus, als ob das Gerät gut mit Firmware versorgt werden würde. Auf den Webseiten von IRiver gab es eine Aufstellung welche Features für die nächsten Versionen geplant sind und wann die jeweils nächste Firmware herauskommen würde. Leider waren das Ankündigungen, die niemals eingehalten wurden. Mit RockBox ist das nun egal geworden. RockBox ist Freie Software (GPL). Falls also die Menschen, die derzeit an RockBox arbeiten irgendwann einmal keine Lust mehr haben, kann jederzeit jemand anders weitermachen. Gute Software, die frei ist verschwindet nicht einfach! Da RockBox aber ein sehr aktives Projekt ist, muss man sich derzeit keine Sorgen in dieser Richtung machen, sondern kann einfach von Zeit zu Zeit auf http://www.rockbox.org/ vorbeischauen und staunen was das nächste Release an Neuigkeiten bereit hält.

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