The iLiad has landed

Seit letztem Mittwoch bin ich stolzer Besitzer eines iRex iLiad. Ich fand ebook-Reader schon seit einer Weile interessant und habe mich ja vor einiger Zeit darüber ausgelassen, was ich von Amazons Kindle halte (Executive Summary: “Bäh”). Am Ende findet dort auch der iLiad, den ich für den besseren ebook-Reader halte Erwähnung. Der hohe Preis und die Tatsache, dass ich noch nie (irgend)einen ebook-Reader live gesehen und selber in den Fingern gehabt habe, haben dafür gesorgt, dass ich bisher lieber noch keinen kaufen wollte.

Nun hat sich allerdings Kollege Chris am Ende seines Urlaubs einen Sony PRS-505 zugelegt und den gleich ins Büro mitgebracht, so daß ich endlich mal ein Gerät live sehen konnte. Wir hatten uns schon häufiger über ebook-Reader unterhalten, sind aber beide immer vor der Anschaffung zurückgeschreckt weil das eben alles noch in einer sehr frühen Phase zu sein schien. Und jetzt hat Chris eben den “Early Adaptor Sprung” gemacht und einfach mal einen Sony zum ausprobieren gekauft. Das e-paper Display und die Umblättergeschwindigkeit haben einen guten Eindruck gemacht und so war ich dann doch wieder sehr interessiert an dem Thema und hab am letzen Wochenende nochmal rumrecherchiert. Mittlerweile gibt es den iLiad auch in einer 100 Euro billigeren Book-Edition. Der Unterschied zum normalen iLiad ist, dass diese Version mit 50 ebooks daherkommt (die man allerdings allesamt auch bei Project Gutenberg, Feedbooks.com oder manybooks.net bekommen dürfte) und kein eingebautes WLAN hat.

Ich habe mich schließlich für den normalen iLiad mit WLAN entschieden, weil ich mir ziemlich sicher war, dass ich sonst schnell bereuen würde an der falschen Stelle gespart zu haben. Also habe ich das Gerät am letzten Sonntag spät am Abend bei justread.de bestellt. Die Bankdaten für die Vorkasse per Überweisung, die ich natürlich sofort vornehmen wollte werden mit der Bestellbestätigungsmail geschickt. Das ist dann immer der Augenblick, in dem mir einfällt, dass ich meinem Greylisting vor dem auslösen dieser Mail hätte beibringen sollen Mails von dieser Absendedomain sofort anzunehmen, statt sie erstmal mit einem temporären Fehler abzulehnen. Damit wird zwar ein wirklich großer Teil des Spams von vornherein vermieden, weil Spammer selten nochmal versuchen die Mail einzuliefern, aber wenn von irgendwoher zum ersten Mal eine Mail kommt, muss man warten bis der absendende Mailserver ein zweites Mal versucht sie einzuliefern. In diesem Fall war es kurz nach drei Uhr Nachts soweit, so daß ich die Überweisung vornehmen und dann mit schon beginnender Ungeduld, ob des nun anstehenden Wartens auf die Lieferung endlich ins Bett gehen konnte.

Nun ist Geduld beim Spielzeugkauf absolut nicht meine Stärke. Glücklicherweise war das aber auch nicht nötig: Am Dienstag hat der Händler den Geldeingang bestätigt und am Mittwoch hatte ich meinen iLiad in den Händen. Nachdem nun heute die erste Akkuladung leer ist und das Gerät gerade zum Laden stillgelegt ist, wird es nun also mal Zeit ein paar Erkenntnisse und Gedanken mit der Welt zu teilen. Als ich noch in der “pre sales” Phase war, habe ich natürlich jeden Erfahrungsbericht von Leuten, die schon einen iLiad hatten sehr interessiert gelesen (Linktips: iLiad thoughts and applications, iRex therefore I am).

Erster Eindruck: Der iLiad ist etwas schwerer als erwartet (mein Vergleich ist allerdings der kleinere Sony), aber das größere Display entschädigt dafür. Sowohl das Netzwerkkabel, das Stromkabel, als auch das USB-Kabel für die Verbindung zum Rechner werden an den Travelhub angeschlossen. Der Travelhub wiederum wird mit einem dünnen Steckerchen mit dem iLiad verbunden, dass aussieht, als ob es den Zug- und Scherkräften durch die am Travelhub hängenden Kabel nicht lange gewachsen sein dürfte. Wenn man den iLiad also nicht nur einfach sicher auf einen Tisch legt solange er mit dem Travelhub verbunden ist scheint mir das eine Sollbruchstelle zu sein. Das war dann auch der Moment, in dem ich mich zum erstenmal innerlich beglückwünscht habe die Version mit WLAN gekauft zu haben.

Zur Ladezeit ist nicht viel zu sagen. Es dauert solange es dauert (ca. 2,5 Stunden) und ist so spannend wie Farbe beim trocknen zuzugucken.

Der Seitenwechsel ist zwar mit dem für e-paper typischen Wechsel der Seite auf Schwarz vor dem Aufbau der neuen Seite verbunden, ist aber tatsächlich so schnell, dass es mich nicht stört. Ich bilde mir ein, da keinen Unterschied zur Unterbrechung, die das umblättern der Seite in einem Papierbuch mit sich bringt zu merken. Auch “mehrfachblättern”, also umblättern, dann denken “ähh, was stand da doch gleich am Ende?”, wieder zurückblättern, “ach so, alles klar” und erneut umblättern geht wirklich schnell und unterbricht meinen Lesefluß nicht anders als bei einem Papierbuch.

Die Anzeigequalität ist wirklich verdammt nah an bedrucktem, weißen Papier aus zerhacken Bäumen.

Das Gerät läßt sich gut halten während man z. B. auf dem Sofa liegt. Da ich nicht auf die Displayoberfläche fassen will, kommen zwar nur die Ränder (und damit eine kleinere Fläche als bei einem Papierbuch) infrage, aber der iLiad ist immer noch deutlich besser zu halten, als z. B. ein Taschenbuch in doppelter Telefonbuchdicke (“Herzlich Willkommen zum diesjährigen Wettstemmen der zweiten Auflage von ‘Die Säulen der Erde’ in Oberammergau”).

Bei der Einrichtung der LAN- und WLAN-Verbindung zum PC hilft eine gewisse “Technikaffinität”, denn die Fehlermeldungen des iLiad beschränken sich auf “Verbindung nicht erfolgreich”. Ob das nun heißt, dass die Verbindung zum WLAN-AP nicht funktioniert, oder der Proxy nicht antwortet, oder eine DNS-Anfrage nach einem Namen mit dem Domainpart “.local” gestellt und mit “kenn ich auch nicht” beantwortet wurde, wird da eher nicht klar. Tcpdump und die häppchenweise auftauchende Erinnerung, wo man noch überall Vorkehrungen gegen unerwünschte Zugriffe aus dem WLAN in das eigene Netz getroffen hat helfen (Paranoia zu haben ist nicht grundsätzlich schlecht, aber man sollte wissen, dass man sie hat).

Ziemlich verwirrt hat mich, dass der iLiad sein LAN-Interface nur aktiviert, wenn er es auch wirklich benutzen will (was natürlich Strom spart). Als noch vollzogener LAN-Einrichtung und Anschluß an den Switch die Link-Lampen dunkel blieben, habe ich erst gedacht mein Travelhub wäre kaputt.

Man möchte auf jeden Fall die Version mit eingebautem WLAN! Nachdem ich ein paar Mal bereitgestellte Bücher einfach per Knopfdruck am iLiad transferiert habe, ohne vorher Kabel spannen zu müssen, habe ich mich nochmal innerlich beglückwünscht die WLAN-Version gekauft zu haben (und dann beschlossen, dass diese ständige innerliche Beglückwünscherei jetzt mal ein Ende haben muss).

Der Transfer von Daten auf das Gerät (oder vom Gerät zurück auf einen Rechner) ist sehr bequem gelöst. Entweder man schließt das Gerät per USB an und hat dann Zugriff auf den internen Speicher via USB-Storage-Interface wie auf einen Datenträger, oder man beschreibt CF- oder SD/MMC-Karten, oder USB-Sticks, die man dann mit dem iLiad nutzen kann. Noch bequemer ist es allerdings ein CIFS-Share (das geht also notfalls auch mit Windows :-) ) zu nutzen. Der iLiad verbindet sich mit den eingerichteten Credentials mit dem Share, legt dort beim ersten Kontakt die Ordner inbox (für Transfers vom iLiad auf den Rechner) und outbox (für Transfers vom Rechner auf den iLiad) ein. Im outbox Ordner gibt es dann noch die Unterordner CF, Internal, MMC und USB, so daß sich auch gleich steuern läßt wo auf dem iLiad die zu transferierenden Daten abgelegt werden sollen. Da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht und tatsächlich eine portable, bequeme Lösung für Syncs verwendet, die ohne ein separates Synchronisationsprogramm auskommt und nicht das Rad neu erfindet.

Das sind so die ersten Eindrücke. Was mir sonst noch so zum iLiad und zu ebooks einfällt soll in Zukunft in der neuen Kategorie ebooks auftauchen.