Freie Republik Germershausen vor dem Untergang

Sa 21 April 2007
By tdk

Göttingen (tdk) Wie aus gewöhnlich nicht unterrichteten Quellen zu erfahren war, befindet sich die Freie Republik Germershausen offenbar in einer ernsthaften Krise! Wir erinnern uns: Im Februar 2006 wurde von Bewohner Paul K. in einem Appartmenthaus in der Göttinger Bürgerstraße überraschend die Freie Republik Germershausen und er selbst zum Kaiser Paul I. ausgerufen (wir berichteten exklusiv). Schon die Gründungsumstände waren turbulent und nur der beherzten Übernahme der Regierungsgeschäfte durch K.s Wäschetrockner ist es zu verdanken, dass das noch junge Staatsgebilde nach der zeitweisen Einkerkerung seiner könglichen Hoheit Kaiser Paul I. durch fremde Terrortruppen nicht im Chaos versank.

Diese beispiellose Opferbereitschaft eines Haushaltsgerätes wurde jedoch nicht belohnt: Kaum dem Würgegriff der grüngewandeten Büttel entronnen, führte seine köngliche Hoheit Paul I. eine Säuberungsaktion durch und verstieß den Wäschetrocker. In Pressemeldungen verkündete der nun zum Despoten gereifte Herrscher: "Ich habe gar keinen Wäschetrockner. Ich hänge meine Wäsche immer auf dem Balkon auf und singe sie dann mit sanften Tönen aus meinen Nebenhöhlen trocken". Zum stellvertretenden Ersatzoberstaatsratsdings wurde kurzerhand die Waschmaschine ernannt, die jedoch ihren Amtssitz in einem abgelegenen Teil der Freien Republik Germershausen beziehen musste und somit vom Volk weitestgehen isoliert war.

Nun ist zu erfahren, dass die kaiserliche Prunkresidenz seiner kaiserlichen Hoheit Paul I. weitestgehend geplündert und leergeräumt ist. Wüst und leer erstreckt sich das Land zu Füssen des einst für seine nächtlich hinausgeschriehene Kritik an den Theorien der modernen Wissenschaft bekannten Herrschers. Eine Leere, die scheinbar auch vom Gemüt des alternden Staatslenkers Besitz ergriffen hat. Alte Weggefährten hat er verstossen und aus dem Land gejagt. Verbittert erinnert sich die Waschmaschine: "Ich wurde dem erstbesten für ein lächerliches Entgelt quasi hinterhergeworfen, aber ich habe mich mit meinem ganzen Gewicht gegen das schließlich unvermeidliche gestemmt. Am Ende mussten sie mich aus dem Land tragen. Ich hätte nie gedacht, dass es soweit kommen würde. Sicher, es gab Anzeichen für solche Monstrositäten, wenn man wusste wo man gucken musste. Damals, in den frühen Jahren der Subversion aus dem Untergrund, bevor wir aus dem Nichts einen Staat für uns schufen, als wir noch die Revolution aus den unzivilisierten Weiten des Badezimmers betrieben und keine Gelegenheit für einen Raubzug zum Kühlschrank ausgelassen haben, ist mal ein alter Kampfgefährte verschwunden. Mercedes war damals ein weitgewanderter, langjähriger Gefährte, der immer seltener gesehen wurde. Schließlich gab es Gerüchte über die Verbannung nach Afrika, dann munkelte man etwas über Einzelteile und die Organmafia, aber schließlich verstummte all das Gerede. Jeder wusste, dass man das labile Gemüt unseres Herrschers besser nicht herausfordert."

So sieht es also aus, als ob sich nun das Ende dieses kühnen Experiments abzeichnet: Ein Staat, geführt mit eiserner Faust, in dem, gleich einem Schmelztiegel, unterschiedlichste Geisteszustände zu einer einzigen Wahnvorstellung finden und das auf weniger als 50 m^2^. Man munkelt allerdings, dass seine selbstherrliche Hoheit Paul I. einen Neuanfang wagen und nun die Revolution in den hohen Norden, in das kalte Land der Fischzertrampler tragen wird. Eine neue Waschmaschine könnte frischen Wind in die ausgetretenen Schuhe blasen und ein Neuanfang scheint möglich. Alles was hier bleibt, ist eine einsame Hantelbank auf dem Müllhaufen der Geschichte.

Bisher war seine hoheitliche Königlichkeit Paul I. nicht für eine Stellungnahme zu den wild um sich greifenden Gerüchten verfügbar. Zuletzt lehnte der als Pressesprecher fungierende Toaster weitere Kommentare mit den Worten "Ich bin schon so gut wie verpackt. Von mir können sie nichts mehr erwarten" ab. Wir werden weiter versuchen Licht in diese Angelegenheit zu bringen.

Wo immer Ungerechtigkeit herrscht, da findet ihr mich. Wo immer es Leiden gibt, da werde ich sein. Wo immer die Freiheit bedroht ist… da findet ihr… DIE STIMME DER WAHRHEIT!!

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